Bertelsmann-Studie zeigt: Jugendliche brauchen mehr Orientierung – Freiwilligendienste bleiben unerwähnt
18. Juli 2025Stellungnahmen zum Referentenentwurf Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) eingereicht – Freiwilligendienste mitdenken
15. August 2025Am 16.07.2025 lud die Bildungs- und Jugendministerin Karin Prien Vertreter*innen der verschiedenen Freiwilligendienstformate zum Gespräch ins BMBFSFJ. Neben ihr war auch der Staatssekretär Ingo Behnel anwesend. Von Seiten der Zivilgesellschaft nahmen neben Dirk Hennig (FÖF), Günter Jek (ZWST) und Silvio Titzmann (GIF) die beiden Sprecherinnen des BAK FSJ Alexandra Hoorn (AWO) und Monique Weigelt (JUH) am Gespräch teil. Es wurden unterschiedliche Themen besprochen, die das Feld der Freiwilligendienste aktuell beschäftigt. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Freiwilligendienste weiter gestärkt und ausgebaut werden sollten.
Zunächst leitete Frau Prien mit sehr wertschätzenden Worten zu den Freiwilligendiensten ein. Im Anschluss konnten die Anwesenden sich persönlich vorstellen und dabei einige wichtige Punkte platzieren, bevor es dann in den weiteren Austausch ging.
Vor allem das Thema Freiwilligendienste als Bildungs- und Orientierungsjahr nahm viel Raum ein. Hier konnten weitere Anknüpfungspunkte wie z.B. die Zugänge zu den Freiwilligendienste und die Information über die verschiedenen Möglichkeiten sowie die Übergänge von Freiwilligen nach ihrem Dienst in Ausbildung, Haupt- und Ehrenamt der Organisation gut dargelegt werden. Passend dazu konnte auf die am selben Tag veröffentlichte Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hingewiesen werden, die Freiwilligendienste als Sprungbrett in Pflegeberufe sieht.
Auch wurde über die Zielgruppe der Freiwilligendienste gesprochen, so zum Beispiel über den Anteil junger Männer sowie von Freiwilligen mit Migrationshintergrund oder mit unterschiedlichen Schulabschlüssen. Es konnte gut dargelegt werden, dass die Freiwilligendienste ein Format für alle Gruppen und damit ein Angebot für die Mitte der Gesellschaft sind. Verdeutlicht wurde aber auch, dass die Bemühungen, auch Zielgruppen zu erreichen, die bisher noch wenig Zugang zu einem Freiwilligendienst haben von finanziellen Rahmenbedingungen abhängen. Darüber hinaus wurden die zunehmenden psychischen Belastungen und Unterstützungsbedarfe von Freiwilligen angesprochen und dargelegt, dass die Freiwilligendienste v.a. aufgrund der pädagogischen Begleitung gut geeignet sind, um den jungen Menschen Orientierung, Stabilität und eine Perspektive für Ausbildung oder Studium in den jeweiligen Arbeitsfeldern zu geben.
Angesprochen wurden auch die Themen Bundeshaushalt und nachhaltige Finanzierungsstrukturen. Dass durch den Koalitionsvertrag die Überjährigkeit als Herausforderung in den Freiwilligendiensten stärker in den Fokus gerückt ist, wurde von allen als positives Signal gewertet, denn die hinterlegte verlässliche Finanzierung schafft nun endlich wieder Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Trotzdem haben die Vertreter*innen der Freiwilligendienste auch deutlich gemacht, dass eine Weiterentwicklung der Freiwilligendienste nur mit einer moderaten aber regelmäßigen Steigerung der Förderung möglich sein wird.
Das durch Frau Prien angesprochene Thema Zivil- bzw. Wehrersatzdienst bekam ob der aktuellen Debatten eine besondere Bedeutung. Anknüpfend an den kurz vorher bekannt gewordenen Referentenentwurf zum „Wehrdienstmodernisierungsgesetz“ des Verteidigungsministers (siehe dazu auch hier) machten die Anwesenden deutlich, dass man eine große Chance sieht, die Freiwilligendienste als zivilgesellschaftlichen Beitrag im Anschreiben an alle 18jährigen zu platzieren. Auch die Möglichkeit der Freiwilligendienste als Wehrersatzdienst wurde angesprochen und der Wunsch formuliert, jegliches Engagement – ob in der Bundeswehr oder in einem Freiwilligendienst – gleichwertig zu betrachten. Es wurde außerdem deutlich gemacht, dass der frühere Zivildienst kritisch ausgewertet werden soll und auch der Mehrwert aus den etablierten Freiwilligendiensten bei der Planung eines möglichen Ersatzdienstes zu berücksichtigen ist.
Dass die Vertreter*innen der unterschiedlichen Freiwilligendienstformate zu einem so frühen Zeitpunkt die Möglichkeit hatten, mit der Bundesministerin Frau Prien und dem Staatssekretär Herr Behnel zu verschiedenen Herausforderungen in den Freiwilligendiensten in den Austausch zu kommen, ist als positives Signal in die Freiwilligendienstelandschaft zu bewerten. Das Gespräch konnte allerdings viele Punkte nur anreißen – deshalb hoffen wir, dass es weitere Gelegenheiten geben wird, den Austausch zu intensivieren. Aber jetzt freuen wir uns erst einmal darauf, Frau Prien spätestens zur FSJ-Jahrestagung des BMBFSFJ und des BAK FSJ im Dezember wieder zu treffen.

Auf dem Foto: Staatssekretär Ingo Behnel (BMBFSFJ), Silvio Titzmann (GIF), Alexandra Hoorn (AWO / BAK FSJ), Bundesministerin Karin Prien (BMBFSFJ), Monique Weigelt (JUH , BAK FSJ), Günther Jek (ZWST), Dirk Hennig (FÖF)

